THE KNEE - Graben an der Biegung des Flusses

22. May 2018
Aus der Immobilien Zeitung vom 17. Mai 2018:


Aufs Bauamt schimpfen, weil nix geht und alles so lange dauert, ist nicht nur in Berlin ein beliebter Sport. Isabel Mattmüller macht da nicht mit. Mit charmanter einjähriger Beharrlichkeit und fast wöchentlichen Telefonaten ergatterte die Berliner Niederlassungsleiterin der ANH Hausbesitz für gleich zwei Bürohäuser an der Biegung des Flusses Spree eine Baugenehmigung. Mittlerweile ist sie im dritten Stock angekommen. Im August wird Richtfest gefeiert.

Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses", schrieb der Amerikaner Dee Brown 1970, als er die Ausrottung der indianischen Bevölkerung als Völkermord geißelte. Ihr Herz in die Hand nahm stattdessen Mattmüller Woche für Woche, um immer wieder beim Bauamt durchzuklingeln. Nun kann das Unternehmen mit Wurzeln im sauerländischen Arnsberg für 20 Mio. Euro ein Bürohaus bauen, das es, passend zum Standort, The Knee (das Knie) getauft hat.


Das Büro AHM Architekten, Berlin, hat an der Adresse Gutenbergstraße 2, Ecke Englische Straße ein Haus mit sechs Stockwerken plus einem Staffelgeschoss entworfen. Im Sommer 2019 soll das Gebäude mit 4.600 m2 Bürofläche und 50 Tiefgaragenstellplätzen fertig sein. Hinzu kommen 700 m2 Mietfläche im Erdgeschoss für Einzelhandel, wobei Läden am Ufer des Flusses noch Seltenheitswert hätten.


Denn buddeln lässt Mattmüller in einem eigenartigen Stück des riesigen Stadtteils Charlottenburg. Bekannt sind das gleichnamige Schloss, der Bahnhof Zoo, der Kurfürstendamm. Die 25 ha große Spreestadt Charlottenburg (immerhin doppelt so groß wie der Potsdamer Platz) entwickelt sich trotz guter Verkehrsanbindung aber nur zögerlich.


Doch mittlerweile drehen sich hier die Kräne. Nicht nur die der Frau Mattmüller. Wer sich auf die Kreuzung um die eigene Achse dreht, zählt elf Baustellen. Errichtet werden Büros, eine Fertigungshalle, Studenten- und Luxuswohnungen. Vorne an der Ecke, direkt am S-Bahnhof Tiergarten, baut Berlins Einkaufszentrenkönig Harald G. Huth Büros.


Platzhirsch ist Cannon Kirk. Die Schwestern Ann und Denise Cannon ziehen am Ufer der Spree 272 Wohnungen hoch. Im wohl mindestens 100 Mio. Euro teuren No. 1 Charlottenburg entstehen auf einem 11.300 m2 großen Grundstück Luxuswohnungen. Verkauft werden die noblen Heime vom Berliner Maklerbüro Ziegert, das schräg gegenüber für diese Aufgabe ein bombastisches, allerdings versteckt liegendes Verkaufsbüro unterhält. Im Internet sind derzeit Preise zwischen 313.000 und 1,8 Mio. Euro aufgerufen.


"Dass in den Standort jetzt Bewegung reinkommt und dass wir so gut vermietet haben, hat uns den Mut gegeben, weiterzumachen", sagt Mattmüller. Denn bauen lässt ANH in der Spreestadt schon zum zweiten Mal. 2014 ließ das Unternehmen auf seinem 8.000 m2 großen Grundstück, wo bis dahin die Stranddisco Beach at the Box mit kühlen Bierchen lockte, ein Bürohaus bauen, das genauso aussieht, wie es heißt: The Box.


Die Kiste an der Spree entstand in einem 1969 als Lagergebäude errichteten und 1980 für den Düsseldorfer Chemiefabrikanten Henkel zur Herstellung von Kosmetika umgebauten Bestandsgebäude. Der Fünfgeschosser mit 5.800 m2 Bürofläche konnte mit 4,20 m hohen Räumen punkten. Und das Haus ist voll. 18 Mieter zählt die Architektin und Immobilienökonomin. Das renommierte Berliner Architekturbüro Heinle Wischer Partner zog aufs Dach.


Zeitgleich mit der Baugenehmigung für das Knie nahm sie die für ein Bürohaus mit dem Arbeitstitel Spreestudios in Empfang - Haus Nr. 3 auf dem Gelände. Das zukünftige Klinkergebäude stammt, wie auch die anderen beiden Häuser, aus der Feder des Büros AHM. 4 Mio. Euro steckt das Unternehmen in ein kleines Haus mit fünf Etagen und 900 m2 Fläche. Beachtliche 20 bis 25 Euro/m2 Miete hoffen die Bauherren an der Biegung des Flusses in beiden Objekten zu erzielen. Langfristig. "Alle unsere Häuser werden nicht verkauft, sondern bleiben im Bestand." Mit der Vermarktung hat Mattmüller noch nicht begonnen. "Aber die Nachfrage ist sehr groß."

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