A Bit Mo' - Umbau eines Bürogebäudes in Berlin. Wenn weniger tatsächlich mehr ist

16. Januar 2018

Statt die Stadt immer dichter zuzubauen, wurde bei diesem Projekt mit einem gezielten Abriss neue Qualität geschaffen: So entstanden Sichtbezüge und eine zusätzliche, poppig gestaltete Fassade. Im Innern brachten die Planer Altbau-Büros zum Strahlen.

Das Gründerzeithaus, das in direkter Nachbarschaft zu den großen Veranstaltungssälen der ehemaligen Meierei Bolle liegt, wirkt von außen wie viele andere Bauten aus dieser Zeit. Aber es war um die Jahrhundertwende Verwaltungssitz jenes Milchvertriebes, dessen Mitarbeiter das Stadtbild prägten wie kaum ein anderer. Erst zogen die Milchmädchen mit ihren Handkarren durch die Straßen, später fuhren mehr als 250 Pferdegespanne durch die Stadt und belieferten die Kunden täglich mit frischer Milch. Der ehemals fünfgeschossige Ziegelbau – er besteht aus Vorderhaus und kleinem Seitenflügel – wurde nun von AHM Architekten umgebaut, saniert und um ein zurückgesetztes Geschoss aufgestockt.

Die Lage entlang der Straße Alt-Moabit bietet vielfältige Bezüge: direkt davor die Grünflächen des Kleinen Tiergartens, im Rücken das Spree-Bogen Areal mit dem ehemaligen Bundesinnenministerium, schräg gegenüber die Johanniskirche von Karl Friedrich Schinkel. Ein vollverglaster Baukörper, der die Durchfahrt zum Spreebogen überspannte und zwischen der ehemaligen Produktionshalle der Meierei und dem Verwaltungsbau lag, wurde abgerissen, sodass nun wieder Blickbeziehungen zwischen Tiergarten und Spree möglich sind. Die frei gewordene große Wandfläche trägt jetzt das Logo des Projektes: A Bit Mo.

Der rosa gestrichene Putz als Hintergrund des Signets harmoniert mit den rötlichen Backsteinfassaden. Erschlossen wird das Gebäude über ein zentrales Treppenhaus, das sowohl von der Straßen- als auch von der Blockinnenseite aus zugänglich ist. Glastrennwände bilden um den Erschließungskern einen Vorraum, der die Geschosse in separate Büroeinheiten teilt, die wiederum um interne Treppenhäuser an den Gebäudeenden ergänzt sind. Viele der Zimmertüren wurden entfernt, sodass eine fließende Verbindung zwischen dem Flur und den Räumen entstanden ist. Für das zusätzliche Staffelgeschoss wurde das vorhandene Dach entfernt und durch eine massive Verbunddecke aus Holoribblechen mit Aufbeton ersetzt.

Ungewöhnlich dabei: Die Bleche bleiben von unten sichtbar, ebenso die rohe Oberfläche der Betonträger, die von Wand zu Wand spannen. Das zentrale Treppenhaus mit dem Aufzug aus den 1990er Jahren reicht nun bis nach oben ins 5. OG. Die Klinkervorschale des Bestands wurde außen ergänzt, das Hinzugekommene bleibt jedoch ablesbar. Der Aufbau selbst wurde als Stahl-Holz-Glaskonstruktion ausgeführt. Runde Stahlstützen, eingespannt in einen Rost aus Walzprofilen, bilden das Tragwerk; zwischengelegte Holzbalken und eine Verschalung aus weiß lasierter Fichte steifen das neue Dach aus.

Die vollflächige Verglasung rundum erlaubt einen weiten Blick über die Stadt, über Schiebetüren gelangt man auf die umlaufende Dachterrasse. Eingestellte Kuben – Besprechungsraum, Sanitärbereich und Treppenhaus – gliedern den großen Innenraum in verschiedene Arbeitsbereiche. Das dunkle Staffelgeschoss korrespondiert mit dem anthrazitfarben gestrichenen EG, sodass der Bau die gründerzeittypische Dreiteilung in Sockel, Hauptgeschosse und Dachabschluss auf neue Weise interpretiert. ~ Petra Ralle

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